Montag, 19. Dezember 2011

Weihnachtsfeier im Boys Hostel!

 Joseph und Mary wandern nach Bethlehem, ich bin eine Mutter, die ihrem Sohn die Geschichte erzaehlt...

 Der Engel (Marlena) verkuendet Jesu Geburt auf Tamil, das Schaf hat Angst und der Stern geniesst die Aufmerksamkeit
 Die drei Koenige ueberbringen ihre Geschenke
 Hark! the herald angels sing, gesungen vom blinden Ashok und Marlena
 Mein Gefiedel fand unser Chef super
 Oh! der Weihnachtsmann...der Typ hinter ihm lenkt ihn, denn er ist blind...
Der taube Stern Adithiya und sein bester Kumpel, das Schaf Bharath Raj 

Sonntag, 4. Dezember 2011

  Singen und Fiedeln mit den Jungs
                                           Lena, ich, Caro und Marlena im Saree Style
                                                     Sitzt gut - habe beim Binden aber auch Hilfe gehabt...

Basteln, Singen und stinkende Muellberge


Nun sind bald die ersten vier Monate meines Aufenthaltes vorbei, da wird es mal wieder Zeit, ein wenig zu berichten.
Nach weiteren wenig ereignisreichen Wochen im Dorf versuchten wir erneut, nach Trichy zu wechseln, um neue und mehr Aufgaben zu bekommen. Dies war aber aus raumtechnischen Gründen nicht mehr möglich, da kurz zuvor vier niederländische Pädagogikstudenten angekommen waren, die nun in unserem Zimmer in Trichy untergebracht waren. Immerhin konnten wir erreichen, dass wir an zwei Tagen in der Woche den Tag über in einem Projekt für geistig behinderte Jugendliche arbeiten konnten, was eine sehr wilkommene Abwechslung für mich war. Tatsächlich merkte ich nach dieser Arbeit auch mal, dass ich richtig angestrengt war und ich genoss das Gefühl, mal wieder ausgelastet zu sein. Im Dorf kam auch wieder ein wenig neue Arbeit auf uns zu, denn die Weihnachtsfeier naht. Marlena und ich suchten verschiedene Bastel-Ideen zusammen und besorgten mit unserer Chefin das notwendige Material.
Eine Woche im November verlebte ich dann allerdings in Tranquebar, einem Dorf an der Ostküste, weil dort ein Zwischenseminar der deutschen Freiwilligen aus Tamil Nadu stattfand. Das Wochenende zuvor verbrachten Marlena, Jonathan und ich in Mamallapuram, einem touristisch geprägten Ort an der Küste, wo wir wunderbares Essen, Sonne, Strand, Meer und eine Massage genossen. Beim anschließend stattfindenden Seminar tat es gut, mal wieder unter Deutschen zu sein, Eindrücke, Ideen und Gefühle zu reflektieren und auszutauschen und mit unserer Mentorin Ute Penzel über die schwierige Arbeitssituation im Dorf zu sprechen.
Ute, die Professor Prabakar, der mittlerweile aus den USA zurückgekehrt ist, schon lange kennt, verabredete ein Meeting mit ihm, seiner Frau und unserer Chefin aus Vadugarpet. Bei diesem Treffen verabredeten wir, dass Marlena und ich bis zur Weihnachtsfeier am 18.12. im Dorf bleiben sollen, um dort das Krippenspiel, die Dekoration fürs gesamte Haus, die Lieder und Weihnachtsgedichte vorzubereiten. Nach den dann folgenden Weihnachtsferien werden wir nach Trichy wechseln und in einer englischen Grundschule arbeiten können. Diese Aussichten auf einen geregelten Arbeitsalltag machen mich sehr zuversichtlich!
Dennoch bin ich im Moment immer mal wieder in einer wehmütigen Stimmung, da bei den sich kaum ändernden Temperaturen von immer noch etwa 25 °C  bei mir nicht so richtig Adventsstimmung aufkommen will. Die kalte Jahreszeit in Europa ermöglicht eine Gemütlichkeit, die es hier einfach nicht gibt.
Auch merke ich immer mehr, dass ich einige Freiheiten, die in Deutschland selbstverständlich sind, ziemlich vermisse. Der viel lockerere Umgang mit Menschen, so etwas wie ausgehen und natürlich das vielfältigere Essen sind Aspekte im deutschen Alltagsleben, die hier nicht auslebbar sind. Zudem gibt es hier noch die unangenehmen Blicke einigen Männer, von denen ich weiß, was sie von weißen Frauen denken, die Einschränkung, keine Kleidung der eigenen Wahl anziehen zu können, die Vermeidung von Augenkontakt mit allen männlichen Wesen, das manchmal nicht genau Wissen, ob der Mann im Bus so dicht neben einem stehen muss, weil sonst kein Platz ist, oder ob er es aus anderen Gründen tut, das Wissen, dass es so gut wie nur arrangierte Hochzeiten gibt und die ständige Erkenntnis, das auf den Straßen viel mehr Männer als Frauen zu sehen sind, und dies macht mich manchmal genervt, traurig oder einfach wütend.
Ein weiterer Punkt, der mir hier weiterhin Schwierigkeiten bereitet, ist der Müll. Überall ist Müll, sowohl auf stinkenden Haufen am Straßenrand, die von Zeit zu Zeit angezündet werden und dann einen beißenden Rauch verbreiten, als auch überall verstreut auf jeder freien Fläche, als auch in den grünlich-bläulichen Rinnsalen aus Abwasser, die in Rillen am Straßenrand stinkend vor sich hin fließen. Wäre es bloß der Gestank und der Anblick, hätte ich keine Probleme damit, aber das Wissen, dass die Menschenmassen in diesem Land immer mehr von dem umweltverpestenden Dreck in die Gegend schmeißen, es kein Recycle-System gibt und man alles in Einzel- und Doppelverpackungen plus Plastiktüte kaufen muss, tut mir weh, weil Umweltschutz, wie wir alle wissen, für die ganze Welt ein Thema von höchster Priorität sein sollte.
Ich weise, allein um mein Gewissen zu beruhigen, nun immer die Plastiktüten zurück und packe alles in meinen Rucksack. Doch die Leute hier, die vor wenigen Jahrzehnten noch gar kein Plastik hatten, schmeißen jeglichen Müll  auch im Zug einfach aus dem Fenster. Dies hatte früher einen Sinn, denn die überall frei herumlaufenden  Nutztiere, Kühe, Ziegen , Hühner und Schweine, fraßen die Essensreste dann auf, aber seit die westliche Welt Indien mit einer Flut von Plastikverpackungen überschwemmt hat, türmen sich die Reste überall. Nicht einmal Flaschenpfand gibt es, und wem gehören wohl die beiden wichtigsten Flaschen-Trinkwassermarken Kinley und Aquafina? Natürlich, Coca-Cola und Pepsico.
Bei einem Betriebsausflug der Holy Cross sah ich allerdings immerhin Windräder im Flachland stehen, was mir ein wenig Hoffnung machte, nachdem ich ein anderes Mal ein Atomkraftwerk aus dem Zug gesehen hatte, was mir, als ich an indische Ordnungs- und Sicherheitssauffassung dachte, einen Schauer über den Rücken gejagt hatte.
Soweit für dieses Mal, ich wünsche allen eine wunderbare, gemütliche Advents- und Weihnachtszeit!

Dienstag, 25. Oktober 2011

Eine doch etwas groessere Tour...


Nach der entspannten Zeit in Auroville trafen wir uns mit drei unserer Mitfreiwilligen aus Thanjavur und Tranquebar in Pondicherry, wo wir weitere schöne Tage verbrachten und noch andere nette Leute trafen, einige Franzosen, Russen, Schweizer und andere Deutsche. Wir lebten in Pondicherry in einem kleinen Hotel und hatten ein Zimmer mit angeschlossener Dachterrasse, auf der wir nette Abende verbrachten und jeden Abend unsere Klamotten wuschen, da wir ja nur ein Outfit dabei hatten. Dann beschlossen Marlena, Jonathan (aus Tranquebar) und ich, die verbleibende Zeit zu nutzen und noch weiter zu reisen. Von Pondicherry an der Ostküste fuhren wir zunächst mit dem Zug nach Tirupur im Landesinneren, legten dort eine Pause ein und fuhren dann weiter nach Ooty. Dieser Ort liegt auf über 2000 Meter Höhe in den Bergen West- Tamil Nadus, man hat eine atemberaubende Sicht auf die von Teeplantagen übersäten Höhenzüge und es ist tatsächlich so kalt, dass man friert und sich etwas überziehen muss! Bei uns reichte eine Strickjacke, die wärmeverwöhnten Inder waren mit Daunenjacken, Mützen und Handschuhen meiner Ansicht nach etwas übertrieben winterlich ausgestattet...Ein Vorteil der kühleren Lage, den ich besonders genoss, war, dass man wirklich gute Schokolade in verschiedenen Sorten kaufen konnte, die nicht schon mindestens einmal geschmolzen und wieder fest geworden war.
Von Ooty zogen wir weiter in einen nahegelegenen Nationalpark, wo wir eine wenig spektakuläre Animal Sighting Tour machten, immerhin bekamen wir einige Pfauen und zahme Elefanten zu Gesicht. Auf die Anregung eines jungen deutschen Backpackers, den wir in Ooty aufgegabelt hatten, fuhren wir, nun zu viert, weiter an die Westküste. Da diese noch recht weit entfernt war, legten wir Zwischenstopps in der wunderschönen Stadt Mysore, die einen beeindruckenden Maharaja-Palast und einen großen bunten Markt zu bieten hat, und Mangalore ein, bis wir schließlich im hübschen Örtchen Gokarna ankamen. Dort genossen wir vier Tage an einem paradiesischen, ruhigen Palmenstrand. Wir trafen andere Reisende, drei stark bayrisch sprechende Lehramt-Studentinnen, zwei weitgereiste Italiener, einen weiblichen Ayurveda-Fan aus Berlin, der uns über luftige und feurige Typen von Menschen aufklärte und zwei Wiener Jura-Studenten, die trotz indischer Abgelegenheit immer top gestyled waren. Wir konnten nochmal europäisches Essen genießen, schwammen im Meer und sonnten uns, bis wir uns, wieder über Mangalore, auf eine insgesamt  2 Tage und 2 Nächte dauernde Rückreise machten. Auf einer 14-stündigen Zugfahrt mussten Marlena und Jonathan öfters dem schon wieder anfahrenden Zug hinterher laufen, um noch aufzuspringen, weil sie sich an den Bahnhöfen mit dem Snack-Einkauf zu viel Zeit gelassen hatten.
Wieder zurück im Boys Hostel fehlte mir das sehr unterhaltsame Herumreisen dann ziemlich, aber wir setzten unsere English- und Music Lessons fort und begannen bei dem Lied „Stille Nacht“ auch mit den Texten, allerdings auf englisch. Außerdem ließen wir uns von Preticia beibringen, wie man lose Jasmin-Blüten zu Blumenketten knüpft und üben nun fleißig. Abends spielten wir mit Francis und den großen College Boys Karten oder spielten Spiele wie „der Plumssack geht rum“ mit den kleineren Jungs. Regelmäßige Tamil Lessons mit Preticia sollen nun auch unsere immer noch recht bescheidenen Tamil-Kenntnisse erweitern. Als wir letztens nochmal in Trichy waren wurde ich in einem Supermarkt von einer Frau mit „Hindi?Hindi??“ angesprochen. Sie dachte tatsächlich, ich sei eine Inderin aus dem Norden, wahrscheinlich, weil ich traditionell indische Kleidung trage. Diese war auch den Leuten in Pondicherry und Gokarna, die sonst eher Touris sehen, aufgefallen, und ich wurde auf meinen „traditional Dress“ mit „very nice stitched“ und „where did you buy this?“ angesprochen. Das nächste anstehende Highlight ist jetzt Diwali, ein großes Lichterfest, was ich in Trichy mitfeiern werde. Also fahre ich bald wieder mit dem Bus von Vadugarpet durch die platte tamilische Landschaft auf groben Straßen an Reisfeldern und Palmenwäldchen vorbei nach Trichy. Vielleicht bekomme ich ja einen Sitzplatz im Bus. Meistens sind diese nämlich so voll, dass zusätzlich zu den voll besetzten Sitzen jede Fläche, auf der ein Fuß irgendwie Platz finden kann, besetzt ist, alle, die nicht mehr ins Innere passen, gehen entweder aufs Dach oder hängen zur Türöffnung raus...  
Gepaeck fuer 2 Leute fuer 2 Wochen!

 Hinfahrt: Schlafen am Bahnhof auf dem Boden...

Rikshaw-Fahrt zu einer Party in Auroville

 Die Dachterrasse in Pondicherry

Die Strandpromenade von Pondy

 Fahrt in die Berge


Affen im Nationalpark

Der Maharaja-Palast von Mysore

 Tempel-Elefant

Der Markt von Mysore

   Baden in Gokarna
                                         

14 Stunden Rueckfahrt: Zaehneputzen im Zug

Blick aus dem Fenster des Boys Hostel in Vadugarpet

Donnerstag, 29. September 2011

Urlauuub!

Nach einer weiteren schoenen Zeit in Vadugarpet und der Geburtstagsfeier einer Mitvolontaerin in Thanjavur, bei der ich weitere Deutsche kennengelernt habe, bin ich mit Marlena auf Reise gegangen. Die Ueber-Nacht-Zugfahrt war zwar anstrengend, das Schlafen auf dem Steinboden am Bahnhof zwar hart, aber wir sind gut in Auroville angekommen. Auroville ist, wie Pondicherry, im Gebiet einer ehemaligen franzoesischen Kolonie, es gibt europaeisches Essen, europaeische Kleidung und Europaeer! Wir bekamen einen Kulturschock unserer eigenen Kultur und das mitten in Indien! Jetzt geniessen wir das alles hier, waren im Meer, tragen Kleider und geniessen das Umherfahren auf den gemieteten Mopeds (Helm tragen ist hier nicht ueblich), wobei die Haare im Wind flattern...
Da wir nur eine Kleidungsgarnitur haben, die wir jeden Tag waschen, haben wir nur sehr wenig Gepaeck, was uns das Reisen sehr bequem gestaltet. Unsere wieteren Ziele sind Pondicherry und wahrscheinlich Kerala (Nachbarstaat von Tamil Nadu) und die Berge! Viele Gruesse aus Auroville von der Ostindischen Kueste!!!
Luise

Dienstag, 20. September 2011




Das Leben in Vadugarpet


Um die Lebensumstände hier im Boys Home in Vadugarpet einmal etwas anschaulicher zu beschreiben und so einen besseren Einblick zu ermöglichen, schreibe ich nun mal wieder einen Blogeintrag, dieses Mal aber nicht gehetzt im Internetcafé verfasst, sondern auf dem eigenen Laptop „zuhause“ (im Boys Home) geschrieben und per USB-Stick mit ins Internetcafé genommen.
Das Boys Home ist ein recht großes Haus, im Erdgeschoss befindet sich die 2-Zimmer-Wohnung meiner Chefs, der Leiter des Heims, Francis und Preticia, außerdem gibt es zwei große Räume, bis auf eine Schrankwand ohne Einrichtung, die als Dining Halls und Schlafräume, Fernsehraum und Hausaufgaben-Räume genutzt werden. Da man für all diese Tätigkeiten im Schneidersitz auf dem Boden sitzt, bedarf es keiner Möbel, nur fürs Schlafen werden dünne Matten ausgerollt. Angeschlossen an einen dieser Räume ist eine Küche, keineswegs aber so eine, wie man sie in Europa kennt, sondern eine offene Feuerstelle, auf der das Essen in großen Schüsseln von den beiden Köchinnen zubereitet wird. Im Obergeschoss gibt es weitere drei große Räume, die ebenfalls  nur mit Schrankwänden ausgestattet sind und auch sowohl als Schlaf- als auch als Arbeitsräume genutzt werden. Des weiteren befindet sich im Obergeschoss noch ein Büro und ein Raum, der als einziger im Haus zwei harte Betten beinhaltet: Marlenas und mein Zimmer, in dem außerdem noch ein großer Schrank und eine Kommode stehen, die abgeschlossen sind und auf denen Kartons aufgestapelt sind. Zudem haben wir ein Sofa und ein kleines Regal, beides benutzen wir als Ablagefläche. Unser eigenes, dem Zimmer angeschlossenenes Bad ist eine Nasszelle (=Dusche ist mitten im Raum, der Gulli, wo das Wasser abfließt, in einer Ecke, das heißt, es ist eigentlich immer nass), deren Waschbecken kaputt ist und deren Klospülung nicht richtig funktioniert. Den ungebetenen Besuch von einigen zeigefingergroßen Kakerlaken, die wir mit einer Menge Selbstüberwindung aus dem Klo und vom Boden fischten und entsorgten, führten wir auf das offene Rohr des kaputten Waschbeckens zurück, seit wir es verstopft haben, sind wir von weiteren Besuchen verschont geblieben. Warmes Wasser gibt es nur selten, meistens dann, wenn einem so heiß ist, dass man Lust auf eine eiskalte Dusche hätte, deshalb waschen wir unsere Sachen meistens mit kaltem Wasser in den dafür vorgesehenen Plastikeimern. Die Fenster haben keine Scheiben und keine Fliegengitter, nur Läden, das heißt, es ist entweder dunkel und tierfrei oder hell, durchgelüftet und es kommen Gäste vorbei. Abgesehen von Mücken, Spinnen, Fliegen und Ameisen haben wir zur Zeit auch einen gut 10 cm großen Gecko im Zimmer, der irgendwie nicht mehr herausfindet, deswegen haben wir ihn als Mitbewohner akzeptiert. Der Ameisenstraße, die an der Wand neben meinem Bett verläuft, habe ich versucht, mit roher Gewalt entgegen zu wirken, indem ich den Schlitz im Fensterrahmen, in dem die Tiere verschwinden, mit Tesafilm zuklebte, leider aber ohne Erfolg. Bei den doch recht häufig auftretenden Stromausfällen vermissen wir neben dem Licht vor allem den Ventilator, der uns vor dem gefühlten Hitzetod bewahrt und uns ohne Strom so gnadenlos im Stich lässt.
Wir führen hier also ein einfaches Leben, im Vergleich zu den Jungs aber sind wir luxuriös untergebracht. Auch wenn man als westlich denkender Mensch schnell dazu neigt, zu sagen, dass  hier für die über 80 Kinder vieles fehlt, vor allem Privatsphäre, Spielsachen und Unterbringungsgegenstände (z.B. Betten), die für uns nicht wegzudenken sind, aber wenn keiner diese Dinge vermisst, gibt es keinen Mangel, und das sicherste Indiz dafür sind die Kinder, denn sie sind so fröhliche, aktive, freundliche, wissensdurstige, neugierige, höfliche und engagierte Menschen!
Das Außengelände des Boys Home bietet den Jungs, die meine Hochachtung haben, da sie auch in der noch so brüllenden Hitze in der prallen Sonne herumrennen, Platz zum Cricket-  Volleyball-  und mit uns auch Völkerballspielen, auch kümmern sie sich um die dort wachsenden Pflanzen und waschen ihre Wäsche und sich selbst an der Wasserpumpe. Marlena und ich haben auch schon Cricket ausprobiert und Spiele mit den Jungs gemacht, im Teich in der Nähe haben wir selbstgefaltete Papierboote mit den Jungs in See stechen lassen. Bei den Spielen stellt es sich immer wieder als kompliziert heraus, alle, die Lust haben, mit einzubeziehen: Den Gehörlosen können wir keine genaue Anleitung geben und die Blinden können oft nicht mitspielen, weil man für die Spiele meistens einfach sehen können muss.
Der neue Tagesplan hat sich aber bisher bewährt, ich unterrichte Englisch für eine Kleingruppe, wir haben Office Work zu erledigen, waren mit bei einem Meeting mit den Sozialarbeiten der umliegenden Dörfer und, um uns den Tamilen optisch ein wenig anzupassen, legen wir uns ab und zu in den Pausen auf der Dachterrasse in die Sonne.
Als nächstes will ich vor allem die tamilische Sprache in Angriff nehmen, die Farben, Tiere, Wochentage, Hallo, Tschüss, Genug, Danke und die Zahlen reichen einfach nicht, um sich mit den Köchinnen zu unterhalten. Immerhin haben wir jetzt angefangen, Singing Lessons mit einigen Jungs zu machen, was sich allerdings bei dem lauten, aber nicht sehr sorgfältigen Singstil als ziemliche Herausforderung erwies. Dennoch haben die Jungen sowohl die Einsing-Übungen als auch einige von mir auf der Geige begleiteten Tonleitern gut mitgemacht, vor allem, weil die Geige ein Highlight für sie war. Nachdem ich ihnen noch ein bisschen einfach so vorgespielt hatte, ließ ich sie auch mal probieren und sie hatten großen Spaß.
Letztens fand in Vadugarpet ein großes kirchliches Fest mit Musik, Programm und einem Jahrmarkt statt, schon Tage vorher waren jeden Abend trommelnde, tanzende Gruppen mit einem großen, mit blinkenden Lichtern und Blumen geschmückten Wagen, auf dem eine Marien-Statue stand, herumgezogen. Es ist also auch hier auf dem Dorf mal was los!
Leider habe ich in letzter Zeit heftige Hautausschläge gehabt, weil ich anscheinend eine Allergie gegen irgendwas habe, was ich hier zu essen bekommen habe, ein Besuch bei einem indischen Arzt habe ich somit also auch schon erlebt. Doch das ändert nichts daran, dass ich mich hier wohl fühle und zufrieden bin, nicht zuletzt auch deshalb, weil ich mich mit meiner Mitfreiwilligen so gut verstehe! 
Gruesse aus dem Dorf!

Sonntag, 4. September 2011

Stoffe, Gerueche und tanzende Kinder

Drei Wochen sind es nun, die ich schon in Indien bin, eine Zeit, die so voll mit Erlebnissen war, dass es mir viel laenger vorkommt.
Im Dorf, dessen Namen ich nun endlich behalten habe und ausprechen kann ("Vadugarpet"), haben wir uns ganz gut eingelebt, da die Arbeitszeitenverteilung aber noch nicht ganz klar war und wir oefters nichts zu tun hatten, haben wir nun einen Tagesablauf mit unserem Chef ausgaerbeitet, von dem wir hoffen, dass er unsere Zeit mit den Kindern ein bisschen besser gestalten und strukturieren kann. Die Problematik liegt vor allem darin, dass die Kinder bis halb 4 in der Schule sind und unsere Vormittage bisher deshalb nicht mit dem ausgefuellt waren, was wir uns vorgestellt hatten.
Abgesehen von dieser Schwierigkeit, die nun hoffentlich beseitigt ist, fuehle ich mich hier immer mehr zu Hause: Die Jungs gehen immer noch ganz offen auf uns zu, wir haben mit ihnen Spiele gespielt und uns von ihnen ihre Schulaufgaben zeigen lassen, wir konnten ihnen Englisch beibringen und uns von ihnen in Tamil unterrichten lassen, auch die Sign Language Kommunikation klappt immer besser und macht Spass. Bei der Function anlaesslich des 23rd Annual Day des Boys Home haben die Jungs Taenze, Lieder und Theater vorgefuehrt, Marlena und ich haben, wie auch beim allabendlichen Prayer, Lieder gesungen  und ich habe eine kleine Dankesrede auf Englisch an die anwesenden Lions Club Mitglieder, die das Boys Home unterstuetzen, gehalten. Nach der festlichen Vorfuehrung gab es sponsored food, was immer etwas Besseres ist, als der Reis mit einer duennen, scharfen Sosse, der das uebliche Essen hier darstellt. Nach dem Dinner wurde noch einmal Musik angemacht und die Jungs tanzten wild und begeistert im kleinen Hof vor dem Gebaeude, denn das sorgfaeltig auf den Boden gemalte Mandala dort, was die Gaeste willkommen geheissen hatte, durfte nun wieder kaputt gehen! Einige der Jungs tanzten wie die indischen Stars in den Musikvideos und fanden sich selbst ziemlich cool, aber das waren sie auch!
Am Freitag vormittag machten Marlena, Caro und ich uns, schick zurecht gemacht mit goldenen Armreifen, huebschen Chudidars, Ohringen und seit langem mal wieder geschminkt, auf zu der Hochzeit, auf der wir eingeladen waren. Nach einem reichhaltigen Essen verfolgten wir die von Musik und Raeucherstaebchenduft begleitete Zeremonie und bewunderten die wunderschoene Braut, die sich sehr ueber unseren Besuch freute und Fotos mit uns machen liess. Am nechsten Tag konnten Marlena und ich dann endlich unsere ersten massgeschneiderten Saris abholen und sie zum ersten Mal anziehen, was ein tolles Gefuehl war! So ein Sari ist etwas wirklich sehr schickes und elegantes, und das tragen die Frauen hier alltaeglich! Aber so indisch wir uns auch zurechtmachen (Kokosoel in den Haaren, um sie zu glaetten, Jasminblueten in den Zopf gesteckt, Goldschmuck, Sari), das Angestarrt werden nimmt nicht ab, man ist und bleibt als Weisser unter Dunklen eine Attraktion und ich fuehle mich, obwohl ich schon braun geworden bin, sehr blass, wenn ich in den Spiegel gucke. Wenn ich mal andere Weisse sehe, was selten vorkommt, gucke ich sie so sehr an, dass ich hinterher merke, dass ich genau so anstarre wie die Inder!
Nun, nach einem langen Wochenende in Trichy, geht es wieder zurueck nach Vadugarpet, wo hoffentlich eine weitere erlebnisreiche Woche auf mich wartet! Und wieder habe ich es nicht geschafft, wirklich alles, was ich erlebt habe, in einen Blogpost zu schreiben!!Es ist einfach zu viel!!:)

Sonntag, 21. August 2011

Die erste Woche



Nach einem insgesamt 14stündigen Flug und wenig Schlaf kamen wir, Caro, Marlena und ich, am Flughafen von Chennai an. Die Räume dort waren klimatisiert, als wir aber unser Gepäck abgeholt hatten und den Flughafen verließen, merkten wir erst, wie unbeschreiblich heiß es eigentlich war. Triefend und rotgesichtig wechselten wir jeder ein wenig Geld, wobei uns ein sehr hilfsbereiter indischer Mitreisender, der als Student in München gewesen war, half, und stellten dann erleichtert fest, dass der Fahrer, der uns zu unserer vorläufigen Unterkunft bringen sollte, bereits wartete. Nach einer rasanten Fahrt durch den lauten, chaotischen, anfangs schwindelerregenden indischen Verkehr, die uns alle in euphorische Hochstimmung versetzte, erwartete uns in der ICSA (Inter Church Service Association) ein erstes Erleben von indischen Verhaltensweisen: Kopfgewackel, ein für uns fast unverständliches Indian-English und eine Menge „No Problem“s, „Ooookay“s und „Okayokayokay“s begleiteten uns bei der Konversation, in der wir nur nach einem Zimmer fragten.
Die drei Tage in Chennai lassen sich wohl ganz gut mit dem Wort „akklimatisieren“ beschreiben. Anders als andere Freiwillige hatten wir drei nämlich keinerlei Einführungsseminar, konnten aber alsbald ziemlich erleichtert und nicht minder stolz feststellen, dass wir uns dieses Seminar selber erteilen konnten: Die ersten Einkäufe, von denen wir mit einem ersten Satz indischer Kleidung, sogenannten Chudidars (weite Stoffhose mit knielangem, kurzärmeligen Oberteil und einem dünnen Schal), Früchten, Wasser, Flip-Flops etc. erfolgreich zurück in die ICSA kehrten, stressten uns wegen der ungewohnten schwülen Hitze sehr, aber schon Tage später wuchs das Durchhaltevermögen beträchtlich. Auch das Essen der angeblich „no spicy“ Gerichte, die uns sehr mundeten, aber die Tränen in die Augen trieben, war bald keine Schwierigkeit mehr. Ebenso sanken die Preise der Autofahrten („Auto“ steht für Auto-Rikscha) genauso schnell, wie unser Verhandlungsvermögen zunahm. Mit duftenden Blumenketten in den Haaren schlenderten wir den Strand entlang, ließen uns von neugierigen Leuten fotografieren, erwiderten das Winken der  kichernden Mädels und bekamen einmal ein unglaublich niedliches Baby in die Hand gedrückt, um mit ihm Fotos zu machen. Die Abende gestalteten wir uns für den Übergang eher europäisch und schauten Kekse und Schokolade essend Filme von unseren Laptops.
Da unsere Projekte in Trichy (Marlena und ich) und Thanjavur (Caro) nicht genau wussten, wann wir ankamen, stellte sich uns nach der bereits überwundenen Hürde des Zugticketkaufs noch die Aufgabe, in den Projekten anzurufen, was glücklicherweise mit einer halbwegs guten Verständigung vonstatten ging. Die Zugfahrt nach Trichy war wegen der Gepäckmengen zwar eine Herausforderung, ansonsten aber einfach zum Genießen: Es gab Ventilatoren, den heißen, aber angenehmen Fahrtwind, Türen, in die man sich setzten und die vorüberziehende tamilische Landschaft betrachten konnte, harte Liegen, auf denen man erstaunlich gut schlafen konnte, nette Menschen, süße, neugierige Kinder und Snack-Verteiler, die für umgerechnet ein paar Cent indian breakfast anboten.
In Trichy angekommen wurden wir sehr herzlich (ganz oft „welcome to India!“) von Professor Prabakkar, dem Gründer der Holy Cross Service Society, empfangen. Unsere Unterkunft befand sich im unteren Geschoss seines Hauses. Er und seine ebenfalls sehr freundliche Frau Prema zeigten uns sowohl die Einrichtung (die HCSS ist eine Schule für Kinder mit Behinderung), als auch verschiedenen Restaurants, in die sie uns einluden, umsorgten uns sehr gastfreundlich und organisierten vielen für uns. Auch auf meine plötzlich doch auftretenden, sehr unangenehmen Verdauungsschwierigkeiten reagierten die beiden sehr fürsorglich und besorgten Schonkost für mich.
Schließlich erklärte der Professor uns, dass er es für gut halte, dass wir zunächst in einem ebenfalls zur HCSS gehörigen Boys Home in einem Dorf in der Nähe Trichys arbeiten sollten, da er und seine Frau eine Woche später für zwei Monate in die USA reisen würden, um ihre dort lebenden Kinder und Enkel zu besuchen. Nun, eine Woche nach der Ankunft in Indien, haben Marlena und ich also schon den zweiten Umzug hinter uns: Für zwei Monate sind wir im Boys Home, was 93 Jungs, die zwischen fünf und 22 sind, beherbergt. 52 % der Jungs sind behindert, also blind, taub oder geistig behindert, alle anderen haben keine Einschränkung. Tagsüber gehen die Jungs zur Schule oder ins College, nachmittags und abends spielen, gärtnern, essen, beten oder arbeiten sie. Die sehr freundlichen Leiter des Heims, Francis und Prebecia, wohnen wie wir im gleichen Haus wir die Jungs, ebenso ihr Sohn John Peter Paul. Prebecia kannten wir auch schon von einer Shoppingtour in Trichy, bei der sie uns geduldig durch die wunderbaren Läden mit Massen von herrlichen Stoffen und Schmuck begleitet und bei der Auswahl der ersten Saree-Stoffe beraten hatte.
Francis war vor allem begeistert davon, dass ich meine Geige mitgebracht habe und zeigte mir heute, am ersten Tag (der uns schon ganz vernarrt in die vielen neugierigen, lieben, hilfsbereiten Kinder gemacht hat), Noten von Liedern, von denen er sich wünscht, dass ich sie doch bitte spielen solle, damit die Jungs dazu singen können. Ich freue mich also jetzt erstmal auf 2 Monate auf dem Dorf und hoffe auf schöne, erfüllende und sowohl in Tamil, Tamil Sign Language als auch im Umgang mit den Kindern lehrreiche Wochen!!

Mittwoch, 27. Juli 2011

Der Countdown läuft!

Nun sind es nur noch wenige Tage, die es gilt, hier in Deutschland zu verbringen. Es ist schon seltsam, eine Deadline zu haben, die immer näher rückt und die einen Sprung bedeutet, dessen Folgen noch überhaupt nicht absehbar sind! Nach einem Haufen durchgearbeiteter Lektüre, einer erfolgreichen Visumsbeantragung und einer langen Zeit der Beschäftigung mit dem allgemeinen "flügge werden" halte ich mich dennoch bestmöglich vorbereitet für den Flug ins Ungewisse.
Die Vorfreude, aber auch der Respekt, um nicht zu sagen, die Angst vor dem, was mich erwartet, wachsen gerade noch einmal gewaltig, ich fühle mich fast, als stünde ich schon mit einem Bein in Indien. Und doch rufe ich mir immer wieder in Erinnerung, dass alles, was ich mir über die Zeit, die Leute, die Arbeit und die Stadt so ausmale, anders kommen wird, was in mir wiederum eine Neugierde erweckt, denn ich will es ja alles erkunden!
Diese letzten Wochen bis zum Abflugdatum, dem 13.8., sind also von einem wirklichen Gefühlschaos bestimmt und gehen einerseits viel zu langsam, auf der anderen Seite aber auch rasend schnell vorbei!
Die Spannung steigt...!!!