Nach der entspannten Zeit in Auroville trafen wir uns mit drei unserer Mitfreiwilligen aus Thanjavur und Tranquebar in Pondicherry, wo wir weitere schöne Tage verbrachten und noch andere nette Leute trafen, einige Franzosen, Russen, Schweizer und andere Deutsche. Wir lebten in Pondicherry in einem kleinen Hotel und hatten ein Zimmer mit angeschlossener Dachterrasse, auf der wir nette Abende verbrachten und jeden Abend unsere Klamotten wuschen, da wir ja nur ein Outfit dabei hatten. Dann beschlossen Marlena, Jonathan (aus Tranquebar) und ich, die verbleibende Zeit zu nutzen und noch weiter zu reisen. Von Pondicherry an der Ostküste fuhren wir zunächst mit dem Zug nach Tirupur im Landesinneren, legten dort eine Pause ein und fuhren dann weiter nach Ooty. Dieser Ort liegt auf über 2000 Meter Höhe in den Bergen West- Tamil Nadus, man hat eine atemberaubende Sicht auf die von Teeplantagen übersäten Höhenzüge und es ist tatsächlich so kalt, dass man friert und sich etwas überziehen muss! Bei uns reichte eine Strickjacke, die wärmeverwöhnten Inder waren mit Daunenjacken, Mützen und Handschuhen meiner Ansicht nach etwas übertrieben winterlich ausgestattet...Ein Vorteil der kühleren Lage, den ich besonders genoss, war, dass man wirklich gute Schokolade in verschiedenen Sorten kaufen konnte, die nicht schon mindestens einmal geschmolzen und wieder fest geworden war.
Von Ooty zogen wir weiter in einen nahegelegenen Nationalpark, wo wir eine wenig spektakuläre Animal Sighting Tour machten, immerhin bekamen wir einige Pfauen und zahme Elefanten zu Gesicht. Auf die Anregung eines jungen deutschen Backpackers, den wir in Ooty aufgegabelt hatten, fuhren wir, nun zu viert, weiter an die Westküste. Da diese noch recht weit entfernt war, legten wir Zwischenstopps in der wunderschönen Stadt Mysore, die einen beeindruckenden Maharaja-Palast und einen großen bunten Markt zu bieten hat, und Mangalore ein, bis wir schließlich im hübschen Örtchen Gokarna ankamen. Dort genossen wir vier Tage an einem paradiesischen, ruhigen Palmenstrand. Wir trafen andere Reisende, drei stark bayrisch sprechende Lehramt-Studentinnen, zwei weitgereiste Italiener, einen weiblichen Ayurveda-Fan aus Berlin, der uns über luftige und feurige Typen von Menschen aufklärte und zwei Wiener Jura-Studenten, die trotz indischer Abgelegenheit immer top gestyled waren. Wir konnten nochmal europäisches Essen genießen, schwammen im Meer und sonnten uns, bis wir uns, wieder über Mangalore, auf eine insgesamt 2 Tage und 2 Nächte dauernde Rückreise machten. Auf einer 14-stündigen Zugfahrt mussten Marlena und Jonathan öfters dem schon wieder anfahrenden Zug hinterher laufen, um noch aufzuspringen, weil sie sich an den Bahnhöfen mit dem Snack-Einkauf zu viel Zeit gelassen hatten.
Wieder zurück im Boys Hostel fehlte mir das sehr unterhaltsame Herumreisen dann ziemlich, aber wir setzten unsere English- und Music Lessons fort und begannen bei dem Lied „Stille Nacht“ auch mit den Texten, allerdings auf englisch. Außerdem ließen wir uns von Preticia beibringen, wie man lose Jasmin-Blüten zu Blumenketten knüpft und üben nun fleißig. Abends spielten wir mit Francis und den großen College Boys Karten oder spielten Spiele wie „der Plumssack geht rum“ mit den kleineren Jungs. Regelmäßige Tamil Lessons mit Preticia sollen nun auch unsere immer noch recht bescheidenen Tamil-Kenntnisse erweitern. Als wir letztens nochmal in Trichy waren wurde ich in einem Supermarkt von einer Frau mit „Hindi?Hindi??“ angesprochen. Sie dachte tatsächlich, ich sei eine Inderin aus dem Norden, wahrscheinlich, weil ich traditionell indische Kleidung trage. Diese war auch den Leuten in Pondicherry und Gokarna, die sonst eher Touris sehen, aufgefallen, und ich wurde auf meinen „traditional Dress“ mit „very nice stitched“ und „where did you buy this?“ angesprochen. Das nächste anstehende Highlight ist jetzt Diwali, ein großes Lichterfest, was ich in Trichy mitfeiern werde. Also fahre ich bald wieder mit dem Bus von Vadugarpet durch die platte tamilische Landschaft auf groben Straßen an Reisfeldern und Palmenwäldchen vorbei nach Trichy. Vielleicht bekomme ich ja einen Sitzplatz im Bus. Meistens sind diese nämlich so voll, dass zusätzlich zu den voll besetzten Sitzen jede Fläche, auf der ein Fuß irgendwie Platz finden kann, besetzt ist, alle, die nicht mehr ins Innere passen, gehen entweder aufs Dach oder hängen zur Türöffnung raus...