Donnerstag, 29. September 2011

Urlauuub!

Nach einer weiteren schoenen Zeit in Vadugarpet und der Geburtstagsfeier einer Mitvolontaerin in Thanjavur, bei der ich weitere Deutsche kennengelernt habe, bin ich mit Marlena auf Reise gegangen. Die Ueber-Nacht-Zugfahrt war zwar anstrengend, das Schlafen auf dem Steinboden am Bahnhof zwar hart, aber wir sind gut in Auroville angekommen. Auroville ist, wie Pondicherry, im Gebiet einer ehemaligen franzoesischen Kolonie, es gibt europaeisches Essen, europaeische Kleidung und Europaeer! Wir bekamen einen Kulturschock unserer eigenen Kultur und das mitten in Indien! Jetzt geniessen wir das alles hier, waren im Meer, tragen Kleider und geniessen das Umherfahren auf den gemieteten Mopeds (Helm tragen ist hier nicht ueblich), wobei die Haare im Wind flattern...
Da wir nur eine Kleidungsgarnitur haben, die wir jeden Tag waschen, haben wir nur sehr wenig Gepaeck, was uns das Reisen sehr bequem gestaltet. Unsere wieteren Ziele sind Pondicherry und wahrscheinlich Kerala (Nachbarstaat von Tamil Nadu) und die Berge! Viele Gruesse aus Auroville von der Ostindischen Kueste!!!
Luise

Dienstag, 20. September 2011




Das Leben in Vadugarpet


Um die Lebensumstände hier im Boys Home in Vadugarpet einmal etwas anschaulicher zu beschreiben und so einen besseren Einblick zu ermöglichen, schreibe ich nun mal wieder einen Blogeintrag, dieses Mal aber nicht gehetzt im Internetcafé verfasst, sondern auf dem eigenen Laptop „zuhause“ (im Boys Home) geschrieben und per USB-Stick mit ins Internetcafé genommen.
Das Boys Home ist ein recht großes Haus, im Erdgeschoss befindet sich die 2-Zimmer-Wohnung meiner Chefs, der Leiter des Heims, Francis und Preticia, außerdem gibt es zwei große Räume, bis auf eine Schrankwand ohne Einrichtung, die als Dining Halls und Schlafräume, Fernsehraum und Hausaufgaben-Räume genutzt werden. Da man für all diese Tätigkeiten im Schneidersitz auf dem Boden sitzt, bedarf es keiner Möbel, nur fürs Schlafen werden dünne Matten ausgerollt. Angeschlossen an einen dieser Räume ist eine Küche, keineswegs aber so eine, wie man sie in Europa kennt, sondern eine offene Feuerstelle, auf der das Essen in großen Schüsseln von den beiden Köchinnen zubereitet wird. Im Obergeschoss gibt es weitere drei große Räume, die ebenfalls  nur mit Schrankwänden ausgestattet sind und auch sowohl als Schlaf- als auch als Arbeitsräume genutzt werden. Des weiteren befindet sich im Obergeschoss noch ein Büro und ein Raum, der als einziger im Haus zwei harte Betten beinhaltet: Marlenas und mein Zimmer, in dem außerdem noch ein großer Schrank und eine Kommode stehen, die abgeschlossen sind und auf denen Kartons aufgestapelt sind. Zudem haben wir ein Sofa und ein kleines Regal, beides benutzen wir als Ablagefläche. Unser eigenes, dem Zimmer angeschlossenenes Bad ist eine Nasszelle (=Dusche ist mitten im Raum, der Gulli, wo das Wasser abfließt, in einer Ecke, das heißt, es ist eigentlich immer nass), deren Waschbecken kaputt ist und deren Klospülung nicht richtig funktioniert. Den ungebetenen Besuch von einigen zeigefingergroßen Kakerlaken, die wir mit einer Menge Selbstüberwindung aus dem Klo und vom Boden fischten und entsorgten, führten wir auf das offene Rohr des kaputten Waschbeckens zurück, seit wir es verstopft haben, sind wir von weiteren Besuchen verschont geblieben. Warmes Wasser gibt es nur selten, meistens dann, wenn einem so heiß ist, dass man Lust auf eine eiskalte Dusche hätte, deshalb waschen wir unsere Sachen meistens mit kaltem Wasser in den dafür vorgesehenen Plastikeimern. Die Fenster haben keine Scheiben und keine Fliegengitter, nur Läden, das heißt, es ist entweder dunkel und tierfrei oder hell, durchgelüftet und es kommen Gäste vorbei. Abgesehen von Mücken, Spinnen, Fliegen und Ameisen haben wir zur Zeit auch einen gut 10 cm großen Gecko im Zimmer, der irgendwie nicht mehr herausfindet, deswegen haben wir ihn als Mitbewohner akzeptiert. Der Ameisenstraße, die an der Wand neben meinem Bett verläuft, habe ich versucht, mit roher Gewalt entgegen zu wirken, indem ich den Schlitz im Fensterrahmen, in dem die Tiere verschwinden, mit Tesafilm zuklebte, leider aber ohne Erfolg. Bei den doch recht häufig auftretenden Stromausfällen vermissen wir neben dem Licht vor allem den Ventilator, der uns vor dem gefühlten Hitzetod bewahrt und uns ohne Strom so gnadenlos im Stich lässt.
Wir führen hier also ein einfaches Leben, im Vergleich zu den Jungs aber sind wir luxuriös untergebracht. Auch wenn man als westlich denkender Mensch schnell dazu neigt, zu sagen, dass  hier für die über 80 Kinder vieles fehlt, vor allem Privatsphäre, Spielsachen und Unterbringungsgegenstände (z.B. Betten), die für uns nicht wegzudenken sind, aber wenn keiner diese Dinge vermisst, gibt es keinen Mangel, und das sicherste Indiz dafür sind die Kinder, denn sie sind so fröhliche, aktive, freundliche, wissensdurstige, neugierige, höfliche und engagierte Menschen!
Das Außengelände des Boys Home bietet den Jungs, die meine Hochachtung haben, da sie auch in der noch so brüllenden Hitze in der prallen Sonne herumrennen, Platz zum Cricket-  Volleyball-  und mit uns auch Völkerballspielen, auch kümmern sie sich um die dort wachsenden Pflanzen und waschen ihre Wäsche und sich selbst an der Wasserpumpe. Marlena und ich haben auch schon Cricket ausprobiert und Spiele mit den Jungs gemacht, im Teich in der Nähe haben wir selbstgefaltete Papierboote mit den Jungs in See stechen lassen. Bei den Spielen stellt es sich immer wieder als kompliziert heraus, alle, die Lust haben, mit einzubeziehen: Den Gehörlosen können wir keine genaue Anleitung geben und die Blinden können oft nicht mitspielen, weil man für die Spiele meistens einfach sehen können muss.
Der neue Tagesplan hat sich aber bisher bewährt, ich unterrichte Englisch für eine Kleingruppe, wir haben Office Work zu erledigen, waren mit bei einem Meeting mit den Sozialarbeiten der umliegenden Dörfer und, um uns den Tamilen optisch ein wenig anzupassen, legen wir uns ab und zu in den Pausen auf der Dachterrasse in die Sonne.
Als nächstes will ich vor allem die tamilische Sprache in Angriff nehmen, die Farben, Tiere, Wochentage, Hallo, Tschüss, Genug, Danke und die Zahlen reichen einfach nicht, um sich mit den Köchinnen zu unterhalten. Immerhin haben wir jetzt angefangen, Singing Lessons mit einigen Jungs zu machen, was sich allerdings bei dem lauten, aber nicht sehr sorgfältigen Singstil als ziemliche Herausforderung erwies. Dennoch haben die Jungen sowohl die Einsing-Übungen als auch einige von mir auf der Geige begleiteten Tonleitern gut mitgemacht, vor allem, weil die Geige ein Highlight für sie war. Nachdem ich ihnen noch ein bisschen einfach so vorgespielt hatte, ließ ich sie auch mal probieren und sie hatten großen Spaß.
Letztens fand in Vadugarpet ein großes kirchliches Fest mit Musik, Programm und einem Jahrmarkt statt, schon Tage vorher waren jeden Abend trommelnde, tanzende Gruppen mit einem großen, mit blinkenden Lichtern und Blumen geschmückten Wagen, auf dem eine Marien-Statue stand, herumgezogen. Es ist also auch hier auf dem Dorf mal was los!
Leider habe ich in letzter Zeit heftige Hautausschläge gehabt, weil ich anscheinend eine Allergie gegen irgendwas habe, was ich hier zu essen bekommen habe, ein Besuch bei einem indischen Arzt habe ich somit also auch schon erlebt. Doch das ändert nichts daran, dass ich mich hier wohl fühle und zufrieden bin, nicht zuletzt auch deshalb, weil ich mich mit meiner Mitfreiwilligen so gut verstehe! 
Gruesse aus dem Dorf!

Sonntag, 4. September 2011

Stoffe, Gerueche und tanzende Kinder

Drei Wochen sind es nun, die ich schon in Indien bin, eine Zeit, die so voll mit Erlebnissen war, dass es mir viel laenger vorkommt.
Im Dorf, dessen Namen ich nun endlich behalten habe und ausprechen kann ("Vadugarpet"), haben wir uns ganz gut eingelebt, da die Arbeitszeitenverteilung aber noch nicht ganz klar war und wir oefters nichts zu tun hatten, haben wir nun einen Tagesablauf mit unserem Chef ausgaerbeitet, von dem wir hoffen, dass er unsere Zeit mit den Kindern ein bisschen besser gestalten und strukturieren kann. Die Problematik liegt vor allem darin, dass die Kinder bis halb 4 in der Schule sind und unsere Vormittage bisher deshalb nicht mit dem ausgefuellt waren, was wir uns vorgestellt hatten.
Abgesehen von dieser Schwierigkeit, die nun hoffentlich beseitigt ist, fuehle ich mich hier immer mehr zu Hause: Die Jungs gehen immer noch ganz offen auf uns zu, wir haben mit ihnen Spiele gespielt und uns von ihnen ihre Schulaufgaben zeigen lassen, wir konnten ihnen Englisch beibringen und uns von ihnen in Tamil unterrichten lassen, auch die Sign Language Kommunikation klappt immer besser und macht Spass. Bei der Function anlaesslich des 23rd Annual Day des Boys Home haben die Jungs Taenze, Lieder und Theater vorgefuehrt, Marlena und ich haben, wie auch beim allabendlichen Prayer, Lieder gesungen  und ich habe eine kleine Dankesrede auf Englisch an die anwesenden Lions Club Mitglieder, die das Boys Home unterstuetzen, gehalten. Nach der festlichen Vorfuehrung gab es sponsored food, was immer etwas Besseres ist, als der Reis mit einer duennen, scharfen Sosse, der das uebliche Essen hier darstellt. Nach dem Dinner wurde noch einmal Musik angemacht und die Jungs tanzten wild und begeistert im kleinen Hof vor dem Gebaeude, denn das sorgfaeltig auf den Boden gemalte Mandala dort, was die Gaeste willkommen geheissen hatte, durfte nun wieder kaputt gehen! Einige der Jungs tanzten wie die indischen Stars in den Musikvideos und fanden sich selbst ziemlich cool, aber das waren sie auch!
Am Freitag vormittag machten Marlena, Caro und ich uns, schick zurecht gemacht mit goldenen Armreifen, huebschen Chudidars, Ohringen und seit langem mal wieder geschminkt, auf zu der Hochzeit, auf der wir eingeladen waren. Nach einem reichhaltigen Essen verfolgten wir die von Musik und Raeucherstaebchenduft begleitete Zeremonie und bewunderten die wunderschoene Braut, die sich sehr ueber unseren Besuch freute und Fotos mit uns machen liess. Am nechsten Tag konnten Marlena und ich dann endlich unsere ersten massgeschneiderten Saris abholen und sie zum ersten Mal anziehen, was ein tolles Gefuehl war! So ein Sari ist etwas wirklich sehr schickes und elegantes, und das tragen die Frauen hier alltaeglich! Aber so indisch wir uns auch zurechtmachen (Kokosoel in den Haaren, um sie zu glaetten, Jasminblueten in den Zopf gesteckt, Goldschmuck, Sari), das Angestarrt werden nimmt nicht ab, man ist und bleibt als Weisser unter Dunklen eine Attraktion und ich fuehle mich, obwohl ich schon braun geworden bin, sehr blass, wenn ich in den Spiegel gucke. Wenn ich mal andere Weisse sehe, was selten vorkommt, gucke ich sie so sehr an, dass ich hinterher merke, dass ich genau so anstarre wie die Inder!
Nun, nach einem langen Wochenende in Trichy, geht es wieder zurueck nach Vadugarpet, wo hoffentlich eine weitere erlebnisreiche Woche auf mich wartet! Und wieder habe ich es nicht geschafft, wirklich alles, was ich erlebt habe, in einen Blogpost zu schreiben!!Es ist einfach zu viel!!:)